Frage des Monats vom Januar 2013
? Epilepsien zählen zu den häufigsten schwerwiegenden Erkrankungen des Gehirns. Zwischen 0,5 – 1% der Bevölkerung ist davon betroffen. Häufig wird in der Beratung die Frage gestellt – Ist Epilepsie heilbar?

Dr.Günter Krämer Dr.Günter Krämer Chefarzt und Medizinischer Direktor des Schweizerischen Epilepsiezentrums Zürich

Unter Heilung verstehen die meisten Menschen das Aufhören der durch eine Krankheit hervorgerufenen Beschwerden, ohne dass eine weitere Behandlung oder Einnahme von Medikamenten nötig ist. Andere sind schon damit zufrieden, wenn sie beschwerdefrei sind und die Medikamente gut vertragen. Auf Epilepsien bezogen bedeutet eine Heilung im ersten Fall eine Anfallsfreiheit nach Absetzen der Antiepileptika, während im zweiten Fall anfallsfreiheit unter Medikamenten ausreichend wäre.

Bei den beiden häufigsten Epilepsieformen in der Kindheit, der kindlichen Absencenepilepsie und der Rolando-Epilepsie, sind die Chancen einer Ausheilung hervorragend. Für erwachsene Menschen mit einer Epilepsie ist eine Heilung im erstgenannten Sinn leider die Ausnahme. Immerhin zwei von drei Betroffenen können aber davon ausgehen, dass sie unter einer medikamentösen Behandlung anfallsfrei werden.

Eigentlich müssten Antiepileptika auch genauer als "Antikonvulsiva" bezeichnet werden, weil sie eben keinen Einfluss auf die Epilepsie selbst haben, sondern nur die Anfälle unterdrücken.

Anja Daniel-Zeipelt
Anja Daniel-Zeipelt Epilepsiebotschafterin, Künstlerin und Autorin

Ich persönlich habe die Epilepsie in mein Leben integriert. Obwohl ich anfangs große Schwierigkeiten damit hatte, mich mit einer Lebensänderung auseinanderzusetzen, habe ich gelernt, gut mit meiner Epilepsie zu leben. Da ich keine angeborene, sondern eine erworbene Epilepsie habe, gehe ich davon aus, dass sie mich auch mein Leben lang begleiten wird. Allerdings bin ich nun anfallsfrei und mein Leben hat sich halbwegs normalisiert. Die Medikamente schränken meine Leistungsfähigkeit zwar ein, doch ich kann mein Leben damit arrangieren.

Quelle: Epilepsie – 100 Fragen die Sie nie zu stellen wagten,
Günter Krämer und Anja Daniel-Zeipelt,
Hippocampus Verlag, Bad Honnef 2011

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