Frage des Monats vom Februar 2012
? Dürfen Frauen mit Epilepsie schwanger werden?

Dr. Sebastian von Stuckrad-Barre,
ür Diagnostik Wiesbaden:

Dr. Sebastian von Stuckrad-Barre Durch moderne antiepileptisch wirksame Medikamente können etwa 2/3 der Patienten dauerhafte Anfallsfreiheit erreichen. Eine häufige Frage im Alltag ist, ob man unter Antiepileptika schwanger werden kann. Grundlegend ist eine Schwangerschaft bei Epilepsie in der Mehrzahl der Fälle unproblematisch, wenn bestimmte Dinge beachtet werden.
Am wichtigsten ist eine gemeinsame Schwangerschaftsplanung mit dem Neurologen und den behandelnden Frauenärzten im Vorfeld. Vor Beginn der Schwangerschaft sollte die Epilepsie eindeutig diagnostiziert sein und mit Medikamenten, die ein möglichst geringes Fehlbildungsrisiko für das Kind haben, behandelt werden. Hier bieten die sogenannten "neuen Antiepileptika" aber auch ein paar seit langer Zeit eingesetzte Substanzen sichere Möglichkeiten. Ausserdem sollte Folsäure vor Beginn und während der Schwangerschaft (präkonzeptionell) eingenommen werden. Wenn die geeigneten Medikamente in möglichst niedriger Dosierung unter begleitender Folsäruremedikation eingenommen werden und die Schwangerschaft eintritt, sind regelmässige gynäkologische und neurologische Kontrollen angezeigt. Aus sogenannten Schwangerschaftsregistern (z. B. EURAP) geht hervor, dass die Mehrzahl der Schwangerschaften unter antiepileptischer Medikation ohne relevante Komplikationen erfolgreich zur Geburt gesunder Kinder führen kann. Wichtig sind bei diesem Thema eine frühe und kontinuierliche Zusammenarbeit und Informationsaustausch zwischen den werdenden Eltern, Gynäkologen und Neurologen vor Schwangerschaftsbeginn.

Epilepsieberater Bernhard Brunst
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Bernhard Bruinst Im Zusammenhang mit dem Thema Epilepsie und Schwangerschaft, werde ich in der Beratung häufig gefragt, ob eine Epilepsie auch vererbt werden kann. Mit einem eindeutigen Ja oder Nein ist diese Frage nicht zu beantworten.
"Epilepsien sind zwar bis auf extrem seltene Ausnahmen keine Erbkrankheiten im engeren Sinne, dennoch haben die Kinder von Eltern mit einer Epilepsie ein erhöhtes Risiko, selbst eine Epilepsie zu bekommen. Damit muss bei größenordnungsmäßig etwa 5% gerechnet werden, während das Risiko bei Eltern ohne eine Epilelpsie unter 1% liegt. Das genaue Risiko hängt von der Art der Epilepsie der Mutter oder des Vaters ab und steigt bis auf etwa 20% an, wenn beide Eltern betroffen sind. Bei sogenannten idiopathischen generalisierten Epilepsien mit Absencen, myoklonischen Anfällen oder primär generalisierten tonisch-klonischen (Aufwach-Grand-mal) Anfällen ist das Risiko einer Vererbung deutlich höher als bei den meisten sogenannten symptomatischen fokalen Epilepsien. Andererseits sind die meisten idiopathischen generalisierten Epilepsien leicht behandelbar, weshalb eine Vererbung von daher kein ernsthaftes Problem darstellt". (Dr. Günter Krämer und Anja Zeipelt, Epilepsie-100 Fragen, die Sie nie zu stellen wagten, Hippocampus Verlag 2011).

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